Englisch Zertifikate immer wichtiger, aber welcher Sprachtest passt zu wem?

Welcher Sprachtest passt zu welchem Kandidaten?

Welcher Sprachtest am besten ankommt, hängt auch vom Zielland ab.

(Foto: AFP)

Englisch-Zertifikate braucht man nicht nur fürs Ausland, sondern auch fürs Studium an deutschen Hochschulen. Eine kleine Hilfe bei der Wahl des Anbieters.

aus der Süddeutschen Zeitung, sehr gelungener Artikel 

Sprachzertifikate, so könnte man meinen, sind etwas für Leute mit Fernweh: Sie öffnen die Tür zum internationalen Job oder zum Studienplatz im Ausland. Doch in den letzten Jahren hat sich die Zielgruppe der Tests gewandelt. Denn auch wer an der Universität Oldenburg den Master-Studiengang Microbiology belegen oder einfach nur Betriebswirtschaftslehre an der Uni Mannheim studieren will, muss sehr gute Englischkenntnisse nachweisen. Und wenn die sich nicht aus dem Abiturzeugnis ergeben, dann muss ein Sprachtest her.

„Immer mehr Hochschulen argumentieren, dass ihre Studiengänge internationale Module enthalten oder die Studenten in der Lage sein müssen, mit fremdsprachiger Fachliteratur zu arbeiten“, sagt Klara Balogun, die für das Sprachtestangebot der Carl Duisberg Centren zuständig ist. Entsprechend finden sich in den Testzentren auch immer mehr Menschen ein, die gar nicht unbedingt vorhaben, sich jenseits deutscher Grenzen umzutun.

Ist Ihr Englisch jobtauglich?

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Ob nun mit Karriereplänen im Ausland oder Studienabsichten daheim, alle Testkandidaten haben das gleiche Problem: die Wahl des Zertifikats. Denn Arbeitgeber oder Hochschulen stellen den Test meistens zur Wahl, und mit IELTS, TOEFL, TOEIC oder CAE werben gleich vier weit-verbreitete Verfahren um Kundschaft. Um das richtige Zertifikat auszuwählen, hilft es zu wissen, was und wie diese Testverfahren messen.

2000 Studiengängean deutschen Hochschulen laufen in der Unterrichtssprache Englisch.

Die Technische Universität München will bis 2020 sogar fast alle Master-Angebote auf Englisch umstellen. Von diesem Trend sind keineswegs alle begeistert. Der Münchner Biomedizin- Professor Ralph Mocikat ist davon überzeugt, dass Englisch als generelle Lehrsprache das Niveau senkt: „Wir haben schon vor rund zehn Jahren festgestellt, dass die zunehmende Umstellung der Lehre auf Englisch zu Qualitätseinbußen geführt hat.“ Gemeinsam mit Kollegen hat er deshalb den Verein ADAWIS gegründet, „Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache“. Die Sprachkenntnisse der deutschen Professoren würden fast nie an jene von Muttersprachlern heranreichen. Die Folge sei ein Verlust von Komplexität.

Grundsätzlich gilt für alle Tests, dass sie ihre Prüflinge dem gemeinsamen Europäischen Rahmen für Sprachen (GER) entsprechend einem Niveau zuordnen. Allerdings tun sie das auf unterschiedliche Weise. Das Cambridge Certificate in Advanced English (CAE), die gefragteste Englischprüfung der britischen Universität Cambridge für Nicht-Muttersprachler, gibt das Zielniveau C1 vor. Wer dieses Niveau im Test nicht erreicht, fällt durch.

Amerikaner bevorzugen andere Tests als Briten

Anders arbeitet dagegen das International English Language Testing System (IELTS) des British Council. Hier ist das Ergebnis eines Kandidaten eine Punktzahl, die sich in ein Sprachniveau übersetzen lässt. Durchfallen geht nicht, es kommt auf ein möglichst gutes Ergebnis an. Für das Betriebswirtschaftsstudium in Mannheim sind das zum Beispiel sechs von möglichen neun Punkten.

Beide Tests stammen aus Großbritannien, während die Konkurrenzprodukte Test of English as a Foreign Language (TOEFL) und Test of English for International Communication (TOEIC) im amerikanischen Princeton entwickelt wurden. Deshalb gilt als Faustregel: CAE und IELTS kommen in Großbritannien, Australien und Neuseeland besser an, TOEFL und TOEIC gelten als passendere Eintrittskarten für die USA. Das muss aber keineswegs immer zutreffen.